Turner-Gemälde für Rekordpreis von 35,7 Millionen Euro versteigert.

•Juli 8, 2010 • Schreibe einen Kommentar

Für den Rekordpreis von 29,7 Millionen Pfund (35,7 Millionen Euro) hat das J. Paul Getty Museum in Los Angeles ein Gemälde des britischen Meisters William Turner ersteigert. Das teilte das Auktionshaus Sotheby’s am Mittwoch in London mit. Das 1839 entstandene Werk „Modern Rome – Campo Vaccino“ ist das letzte Bild, das Turner von Italiens Hauptstadt Rom malte. Der Maler (1775-1851) war damals auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Das Werk hatte seit seiner Entstehung vor 170 Jahren nur einmal zum Verkauf gestanden, Sotheby’s hatte mit einem Erlös von höchstens 18 Millionen Pfund gerechnet. Das bisher teuerste Turner-Gemälde „Giudecca, La Donna della Salute“ hatte im April 2006 einen Erlös von umgerechnet 29 Millionen Euro erzielt.

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Über das Motiv in Fotografie und Malerei.

•Juni 10, 2010 • 2 Kommentare

In den Jahren 2007-2008 habe ich mich, obwohl ich selber nicht fotografiere, an den Bild-Diskussionen der FotoCommunity* beteiligt; einer Plattform, wo (einige) Berufsfotografen und (viele) Amateure ihre Aufnahmen öffentlich ausstellen können. Die FC hat verschiedene ‚Kanäle‘, unter anderm einen für Landschaftsfotos. Während meiner Beschäftigung mit der Bedeutung der Landschaftsmalerei für die Freisetzung ‚des Ästhetischen‘ im Welt- und Lebensverständnis der Moderne stieß ich auf die Frage, ob sich die Gesichtspunkte, die ich in der Geschichte der Landschaftsmalerei herausgefunden hatte, ebenso in der Landschaftsfotografie bewähren würden; also die Frage, was davon spezifisch zur Landschaft, und was spezifisch zur Malerei gehört.

Hier ein Auszug aus einem Brief:


7. 9. 07

…Ich suche auf Bildern nicht nach einer Aussage.

Ich muß vorweg sagen: Ich bin an die FC durch ein eigentümliches, fast ‚theoretisches‘ Erkenntnisinteresse geraten. Ich suche dort im Gegenteil nach Bildern, die ‚gar nichts aussagen‘. Oder anders gesagt, ich suche nach dem rein-Ästhetischen an den Bildern. Darunter verstehe ich Dasjenige, was vom Bild sichtbar bleibt, wenn man von allen möglichen Bedeutungen außerhalb des Bildrahmens abgesehen hat; also von Allem, was sich irgendwie aufs ‚wirkliche Leben‘ bezieht – und aus diesem Grund irgendwie meine Vor- oder Nachteile betrifft. Also Das, was nicht ‚interessiert‘, sondern ‚bloß erscheint‘. Nach Kant (das ist mein Fach, den darf ich nicht nur, den muß ich zitieren) ist „das Schöne“ (=der damals übliche Name für das ästhetisch-Erhebliche) dasjenige, das ’so erscheint, als ob‘ es seinem Zweck restlos entspricht, ohne offenbar aber einen Zweck überhaupt zu haben! ‚Zweckmäßigkeit ohne Zweck‘ oder, schlichter gesagt, das, was als Zweck seiner selbst erscheint, das ist das ästhetisch Gerechtfertigte, das rein-Ästhetische.

Dabei handelt es sich im Grunde nur um eine ‚Idee‘, denn streng genommen ‚gibt es‘ das rein-Ästhetische natürlich nicht. Schon die Farben selbst haben (von irgendwelchen hirnphysiologischen Vorgängen ganz abgesehen) immer irgendeine ‚lebensweltliche Bedeutung‘. Weiß ‚bedeutet‘ zum Beispiel für einen Eskimo sicher etwas anderes als für einen Amazonasindianer, so wie umgekehrt grün. Nun, und erst Rot oder Blau oder Gold! Von Schwarz nicht zu reden. Ebenso macht es einen Unterschied, ob regelmäßige geometrische (‚Kunst‘-) oder unregelmäßige (‚Natur‘-) Formen verwendet werden. – Das Ästhetische ist also besten falls relativ ‚rein‘ und nicht absolut. Dieses relativ Reine aber kann man ‚finden‘, wenn man es darauf ‚abgesehen hat‘!


Mit der „Gemäldegalerie“ in meinem Fotohome versuche ich darzustellen, wie die (unbewußte) ‚Suche nach dem rein-Ästhetischen‘ die Bildende Kunst – das war damals hauptsächlich die Malerei – auf den Weg der Abstraktion geführt hat: das bloße Verhältnis von Flächen, Farben, Linien und Hell-Dunkel-Werten. Wobei man immer im Kopf behalten muß: Auch ein „rein abstraktes“ Bild kann ‚wild‘ oder ‚harmonisch‘ , ‚heiter‘ oder ‚düster’ wirken – und hat also immer noch einen ‚Bezug zum wirklichen Leben‘ und seinen Interessen. Wie gesagt: Das rein-Ästhetische ‚gibt es‘ am Ende doch nicht. Deshalb hat sich die Abstrakte Malerei schließlich als Sackgasse erwiesen (die allerdings erst gegangen werden mußte, um sich erweisen zu können; und was damals entstanden ist, war Kunst, während es bloß dekorativ wäre, wenn es heute entstünde. XY aus der FC, der als Fotograf auf meiner Buddy-Liste steht, malt solche Bilder, aber ich trau mich nicht, ihm was dazu zu sagen.)

Ja, soviel zur Malerei. Aber in der FC geht’s ja gerade nicht um Gemälde, sondern um Fotos, und mir ist klar, daß meine Sehweise dort nur am Rande eine Rolle spielen darf. Das Fotografieren ist entweder – für ganz viele – ein ‚Hobby‘ oder – für einige – ein Broterwerb; und wenn einer sie im Stillen für (s)eine Kunst hält, traut er’s sich nicht zu sagen. Und sie ist es auch wirklich nur (würde ich sagen) im äußersten Fall. Nämlich in einigen, nicht sehr häufigen Glücksfällen, sofern man es nicht darauf anlegt. (Denn wenn einer mit der Kamera ‚Kunst‘ machen will, kommt fast immer nur Kitsch oder Manierismus oder manierierter Kitsch zustande; dafür findet man es in der FC reichlich Beispiele.)


Das Foto hängt in ganz anderer Weise als das Gemälde am Gegenstand. Der Maler sitzt vor einer kahlen Fläche, und alles, was am Ende zu sehen sein soll, muß er selber dazutun; was er nicht haben will, läßt er einfach weg. Der Fotograf hat sein ‚Motiv‘. Er hat es selbst gewählt, wohl wahr. Aber er hat es nun mal, ‚wie es ist‘. Will er was daran ändern, muß er was draufsatteln, sei’s vorab durch die Kameraeinstellung, sei’s danach mit Photoshop. Wenn er dann sein Motiv so verändert, daß man’s nicht wiedererkennt, darf man ruhig fragen: Wieso hat er’s dann gewählt? Soll er’s doch wegwerfen und sich ein andres wählen! Will sagen: Durch die bildnerische Technik, die er gewählt hat – die Fotografie eben – hat der Fotograf sich darauf eingelassen, aus Dingen, die da sind, dasjenige herauszuholen, was ihm bedeutend erscheint; bedeutend genug, um es gegebenenfalls mit den Möglichkeiten der modernen Technik so hevorzuheben, wie es auf ’natürliche‘ Weise nicht möglich wäre. (Wenn er stattdessen was ganz anderes zeigen will, soll er zu Pinsel und Farbe greifen.)


Aber da liegt ein Haken: Für den Maler (nämlich wenn er ein Künstler sein will) ist es klar, daß sein Gemälde Kunst sein soll. Und da erwartet man heute (zu recht), daß nur das Ästhetische ihm ‚bedeutend‘ genug ist, um es auf die kahle Fläche aufzutragen. Ist es die Sensation, das Dekorative, die Anekdote, ein Witz, die ihm ‚bedeutend‘ sind, so wird man von Gebrauchskunst oder Kunsthandwerk reden. Dem Fotografen muß dagegen klar bleiben, daß sein Foto einen Gegenstand darstellt. Und dafür gibt es eine ganze Reihe von Legitimationen, wovon die Kunst die allerletzte ist, nämlich im glücklichen Ausnahmefall. Die Fotografie ist auch als Reklame gerechtfertigt, als Illustration, als entlarvende Kritik (an der Zeit, an der Kultur), als Reportage und bestimmt noch einiges andere, aber vor allen Dingen eben auch hier: als Hobby, zur Erinnerung, als Kuriosum. Und aus allen diesen Motiven heraus kann man seine Fotos in der FC veröffentlichen. Das ist mir mit meinem Blickwinkel klar und ich bemühe mich bei meinen Kommentaren (meistens) um Takt. Aber veröffentlichen heißt: an die ÖFFENTLICHKEIT bringen. Und da lauere auch ich mit meinem Blickwinkel, damit muß man rechnen. Daß einige beleidigt waren, das nehme ich mit philosophischer Gelassenheit.

*) Die FC hat seither nachgelassen. Aber ein paar gute Bilder finden sich immer wieder; wie hier abgebildet!

Christen Købke

•Juni 1, 2010 • Schreibe einen Kommentar

aus: Neue Zürcher  Zeitung, 1. 6. 2010

Fast immer ein Sommerhimmel

«Christen Købke: Danish Master of Light» in der National Gallery London

Die Londoner National Gallery feiert die Wiederentdeckung von Christen Købke in einer eindrucksvollen Retrospektive. Damit würdigt zum ersten Mal eine Werkschau ausserhalb Dänemarks den Maler.

Von Marion Löhndorf

Nach allem, was man weiss, war Christen Købke ein schüchterner Mensch, der keine grossen Ansprüche an seine äussere Existenz stellte. Nie hätte er sich träumen lassen, dass er einmal als bedeutendster dänischer Maler des dänischen «Goldenen Zeitalters», einer kulturellen Blütezeit nach den napoleonischen Kriegen, gefeiert würde: Zu Lebzeiten (1810-1848) blieben ihm Erfolg und Anerkennung weitgehend versagt. Mitglieder seiner grossen Familie sowie seine Künstlerfreunde gehörten zu seinen wichtigsten Kunden – obgleich auch der König eines seiner Bilder erstanden hatte. Ein verkanntes Genie war er vielleicht nicht, sicher aber ein stiller, unterschätzter Visionär. Oft haderte er mit seinem Talent, er konnte sich und seine kleine Familie nur knapp ernähren und starb jung, mit 37 Jahren, an Lungenentzündung. Danach geriet er lange Zeit in Vergessenheit.

Eine Entdeckung

Heute wird Købkes Werk seiner meisterhaften Behandlung von Licht und Schatten, der unmittelbaren Wirkung seiner Landschaften und Porträts und seiner eigenwilligen, in die Zukunft weisenden Motive und Perspektiven wegen geschätzt. Erst jetzt wird ihm eine erste Ausstellung ausserhalb Dänemarks gewidmet, die einen Überblick über sein Schaffen erlaubt. Die 48 in der Londoner National Gallery gezeigten Werke sind eine Entdeckung.

Häufig hatte man ihm seine Vorliebe für scheinbar unbedeutende Motive, die fehlende Abenteuerlust, den Mangel an Heroischem und Erhabenem vorgeworfen. Eine Studienreise nach Italien trat er 1839 nur widerwillig auf Drängen seiner Künstlerfreunde und Mentoren an: Die davon angeregten Gemälde gehören zu den am wenigsten strahlkräftigen und authentisch wirkenden seines rund 300 Werke umfassenden Oeuvre.

Seine Motive suchte Christen Købke am liebsten in seiner Heimatstadt Kopenhagen und Umgebung. Die Schauplätze seiner Bilder konnte er zu Fuss erreichen, sie lagen meist gleich vor seiner Haustür. Der tiefgläubige Købke sah im Alltäglichen und im scheinbar Nebensächlichen die Schönheit göttlicher Schöpfung. Auch die oft ungewöhnlichen Bildausschnitte und Perspektiven, die das Unbedeutende auf ein Podest stellten, stimmten selten mit dem Geschmack seiner Zeitgenossen überein.

So wundert es kaum, dass es aufgrund der veränderten Sehgewohnheiten und Denkmuster der Nachwelt vorbehalten blieb, den Maler zu entdecken, der – seinen Briefen nach zu urteilen – mit dem gesprochenen und geschriebenen Wort haderte und am liebsten in Bildern dachte. Typischerweise ist seinen Werken das Narrative eher fremd: Es sind Momentaufnahmen einer auch in den Bildtiteln geografisch genau bezeichneten Wirklichkeit wie «Die nördliche Zugbrücke der Zitadelle in Kopenhagen» (1837), «Schloss Frederiksborg nahe der Brücke von Møntbro» (1836) oder «Zigarrenverkäufer am Nordausgang der Zitadelle» (1830).

In seinen Bildern, die häufig von architektonischen Elementen in einen geometrisch geordneten Rahmen gesetzt werden, herrscht so wenig Bewegung, dass auf ihnen die Zeit stillzustehen scheint: Zwei Frauen stehen reglos auf einem Landesteg und blicken auf einen See, ein Ruderboot entfernt sich – dem kaum wahrnehmbaren Wellenschlag zu urteilen – langsam («Blick von Dosseringen am Sortedam-See nach Nørrebo», zirka 1838).


Auch die Menschen in «Die nördliche Zugbrücke der Zitadelle in Kopenhagen» (1837) haben es nicht eilig: Vier Knaben lehnen am Geländer und schauen auf den Fluss. Drei von ihnen sind nur in Rückenansicht zu sehen. Nur die langen Schatten des Brückenkopfes und der eines Baums ausserhalb der Bildfläche verweisen auf das Vergehen der Zeit, ebenso wie zwei winzige, halbverdeckte Figuren am anderen Ende der Brücke, die auf den Betrachter zugehen. – Jedes Detail ist mit der gleichen demokratischen Sorgfalt und Hingabe erfasst, von den Grashalmen bis zum Kopfsteinpflaster und zum bröckelnden Mauerwerk am rechten und linken Bildrand. Es ist, wie alle Bilder dieses Malers, ein Bild, das auch den Vorgang des Innehaltens und des genauen Sehens feiert, den Trost des – nur leicht idealistisch überhöhten – Sichtbaren.


Trotz ihrer Realitätsnähe und ihrer zeichnerischen Genauigkeit gehen Købkes Werke in ihrer Serenität, Stille und Intensität über die Darstellung der materiellen Welt hinaus. Andererseits streifen sie bei aller atmosphärischen Dichte höchstens die Vorliebe der romantischen Maler für die Übersetzung von Landschaften in seelische Stimmungsbilder. Købkes Landschaften erscheinen vielmehr wie meditative Betrachtungen einer verdichteten Gegenwart – mit fast hypnotischem Effekt.

Die Menschen seiner Umgebung

Die Direktheit seiner Landschaftsbilder findet sich auch in den Porträts, die grosse Vertrautheit mit seinen Modellen offenbaren. Er kannte den alkoholisierten ehemaligen Seemann mit seinen wässrigen Augen und dem rot geäderten Gesicht ebenso wie die Mutter eines von ihm verehrten Mentors, des Historikers Niels Laurits Høyen. Den Schwager malte er nach getaner Arbeit einen Zigarillo rauchend und den Künstlerfreund Wilhelm Marstrand mit einer Blume im Mund. Mit Einfühlungsvermögen, Intelligenz und nicht ohne Witz betrachtete der Maler die Menschen seiner Umgebung.


So wenig selbstbewusst, wie er wirkte, konnte Christen Købke übrigens nicht gewesen sein. Dafür sprechen seine kühnen Kompositionen. Schloss Frederiksborg malte er mehrfach: Einmal zeigt er das Schloss im rosigen Abendlicht einer konventionellen Monumentalperspektive. Es spiegelt sich im Wasser, das fast wie ein Schatten wirkt und der Baumasse am gegenüberliegenden Ufer zusätzliches Gewicht und Ansehen gibt. Dann aber steigt der Maler aufs Dach des Schlosses und kehrt die Perspektive um. Wiederum ist es das Einfache, das ihn mehr interessiert als das Imperiale. Hinter einem im Vordergrund aufragenden Türmchen und einem Schornstein blickt er weit hinaus aufs unter ihm liegende Land, auf die Felder und die schlichten Häuser – in einem atemberaubenden, grossformatigen Gemälde: Den grössten Raum auf der Leinwand nimmt, wie bei vielen seiner Landschaftsbilder, der Himmel ein. Fast immer ist es ein Sommerhimmel.


Christen Købke: Danish Master of Light. National Gallery, London. Bis 13. Juni 2010. Vom 5. Juli bis 3. Oktober in den National Galleries of Scotland in Edinburg. Katalog (Yale University Press, London) £ 12.95.

Francesco Guardi, 1712-1793. Eine Abbitte.

•Mai 30, 2010 • 1 Kommentar

Ich habe ein schlechtes Gewissen. Nicht nur habe ich einem Meister die gebührende Achtung versagt. Ich habe ihn sogar an der Stelle übersehen, wo er zwingend hingehört hätte, in dem Abschnitt über Engländer und Italiener.

Nicht zu reden von den Einträgen über William Turner.

Guardi gehört der Generation unmittelbar vor Turner an, er malt noch ganz aus dem Geist des Rokkoko. Aber es ist nicht mehr der Geist der Schäferidylle, sondern schon das Vergnügen am Schaurigen, aus dem die Romantik sich nährte. Über den älteren, dann den jüngeren Canaletto führt über Guardi eine direkte Spur zu Turner. Denn dass jener bei seinen vielen Venedigaufenthalten dessen Kunst nicht kennen gelernt hätte, ist kaum vorzustellen .

Wiederkehr der Landschaft.

•April 13, 2010 • Schreibe einen Kommentar

Wiederkehr der Landschaft

13. März bis 30. Mai 2010

Die Stadt des 20. Jahrhunderts wurde gegen die Landschaft gebaut. Die ökologischen Folgen heißen Klimawandel, Wasserknappheit und Artenschwund.
Die Stadt des 21. Jahrhunderts ist aus der Landschaft zu entwickeln. Nötig sind kreative und nachhaltige Lösungen – und eine neue emotionale Annäherung.

Die Akademie der Künste stellt diese Thesen ins Zentrum der interdisziplinären Ausstellung „Wiederkehr der Landschaft“, die am 12. März 2010 in Berlin eröffnet und von zahlreichen Veranstaltungen begleitet wird.

„Wiederkehr der Landschaft“ stellt ein städtebauliches, ökologisches und kulturelles Thema in den Mittelpunkt, das angesichts des Klimawandels von aktueller Brisanz ist.

„Wiederkehr der Landschaft“ bildet den Auftakt zu einem mehrmonatigen Schwerpunkt zu den Themen Landschaft und Architektur; weitere Ausstellungen folgen ab Mai 2010.

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Einen Auszug aus dem Katalog können Sie hier herunterladen.

(Entstehung des Kunstmarkts in Holland.)

•Februar 24, 2010 • Schreibe einen Kommentar

aus: Neue Zürcher Zeitung, 23. 2. 10

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Verborgene Schätze des Nordens

Holländische und flämische Malerei aus den Depots des Genfer Musée d’art et d’histoire

Unter dem Titel «L’art et ses marchés» präsentiert das Genfer Musée d’art et d’histoire flämische und holländische Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts – zur Hauptsache aus eigenen Beständen.

Marguerite Menz

Erschöpft von der Jagd, sind Diana und ihre drei Gefährtinnen nach einem erfrischenden Bad neben ihrer Beute eingeschlafen, ohne zu bemerken, dass sich von hinten zwei männliche Wesen angeschlichen haben: Lüstern betrachten Aktaion und ein Satyr die sich darbietenden üppigen nackten Körper. Aktaion wird seine Indiskretion bitter büssen müssen und, von der erbosten Göttin in einen Hirsch verwandelt, von den eigenen Hunden zerfetzt werden. «Le repos de Diane» ist 1852 von der Stadt Genf von einem Pariser Händler erworben und als Rubens katalogisiert an prominenter Stelle im Musée Rath ausgestellt worden. Doch der Ruhm des imposanten Gemäldes dauert nicht lange, schon 1887 wird es als Atelierarbeit zurückgestuft, wobei angenommen wurde, dass zumindest der stilllebenartige Vordergrund und die Tiere von Frans Snijders, einem Mitarbeiter des grossen flämischen Meisters, gemalt worden sind. 1902 erneut als Rubens deklariert, fällt es 1928, nach seinem Umzug ins neue, 1910 eröffnete Musée d’art et d’histoire, endgültig in Ungnade, wird in den Konferenzraum relegiert, um schliesslich als «französische Kopie des 17. Jahrhunderts» im Depot des Museums zu verschwinden.

Dass es jetzt wieder unter der Bezeichnung «Pierre Paul Rubens et atelier avec la collaboration de Frans Snijders» in neuem Glanz inmitten von 114 weiteren flämischen und holländischen Bildern in einer Ausstellung zu sehen ist, ist das Resultat einer langjährigen exemplarischen Zusammenarbeit zwischen dem Museum und der Genfer Universität.

Überraschende Entdeckungen

2005/2006 hatte das Musée d’art et d’histoire unter dem Titel «La naissance des genres» seine Bestände an niederländischer Malerei vor 1620 präsentiert. Damals wie heute hiess der Ausstellungskommissär Frédéric Elsig. Zusammen mit seinen Studenten hat sich der Assistenzprofessor für Kunstgeschichte dieses Mal der mehrheitlich verborgenen Schätze aus dem 17. und 18. Jahrhundert angenommen und rund 230 Gemälde wissenschaftlich analysiert und in einem Katalog veröffentlicht. Sämtliche Bilder wurden bei dieser Gelegenheit im Labor des Museums geprüft und zum Teil – wie im Fall des grossen Rubens – unter der Leitung von Victor Lopes restauriert. Hie und da machte man dabei überraschende Entdeckungen. Etwa bei dem wunderschönen Familienporträt des Rembrandt-Schülers Nicolaes Maes (1634-1693). Bisher wusste man, dass es sich beim Vater der drei Kinder um einen der Brüder van den Brandelaer aus Dortrecht handelte, die 1665 das im Hintergrund sichtbare Lustschloss geerbt hatten. Auf einer Röntgenaufnahme kam nun der Name der Ehefrau, Margaretha Crillaerts, zum Vorschein. Damit war die Familie eindeutig identifiziert, und das Bild konnte sicher in die Zeit zwischen der Geburt der jüngsten Tochter, 1669, und dem Tod der Mutter, 1672, datiert werden.

Bei der Reinigung eines anderen Werkes, eines Männerbildnisses, das 1828, Bartholomeus van der Helst zugeschrieben, aus der Sammlung Jacob Duval ins Musée Rath gelangte, wurde eine Signatur freigelegt, die von einem anderen Zeitgenossen Rembrandts, nämlich Jacob Adriaensz Backer (1608-1651), stammt. So wird man sich nicht wundern, wenn man beim Gang durch die reiche, nach Gattungen geordnete Ausstellung bemerkt, dass die alten, auf den Rahmen befestigten Schilder nicht immer mit den neuen Beschriftungen übereinstimmen.

Professionalisierung des Marktes

Aufmerksamen Besuchern wird auch nicht entgehen, dass die Mehrheit der Gemälde als Schenkungen in den Besitz des Museums gekommen ist; allein über hundert Werke gehörten einst dem bekannten Mäzen Gustave Revilliod (1817-1890), der der Stadt Genf nicht nur das Musée Ariana, sondern auch seine umfangreiche, enzyklopädische Sammlung vermacht hatte. Die flämische und die niederländische Malerei erfreuten sich bei Genfer Sammlern seit dem 18. Jahrhundert grösster Beliebtheit. Gekauft wurde bei Händlern im In- und Ausland. Der Kunstmarkt hatte sich, seitdem sich nicht nur Adelige und Kirchenfürsten Kunstwerke leisten konnten, rasant entwickelt und professionalisiert. Dabei spielten, wie Elsig im Katalog ausführlich darlegt, im 17. Jahrhundert gerade die Niederlande, speziell die Börsenstadt Amsterdam, eine führende Rolle. Nicht selten bestimmten schon damals öffentliche Auktionen die Preise und den Marktwert eines Künstlers. Ein Modell, das später von den zwei grossen, 1744 bzw.1766 in London gegründeten Auktionshäusern, Sotheby’s und Christie’s, übernommen wurde.

Auf eine Frage gibt es im Katalog keine Antwort: Was geschieht mit diesem bedeutenden Ensemble nach Abschluss der Ausstellung? Die derzeitigen Platzverhältnisse im Musée d’art et d’histoire lassen befürchten, dass alles mit wenigen Ausnahmen wieder ins Depot verbannt wird – sicher ein abschreckendes Signal für zukünftige Donatoren. Nur ein seit Jahren von Jean Nouvel geplanter Erweiterungsbau könnte Diana und die drei Nymphen vor dem ewigen Schlaf in der Unterwelt bewahren.

L’art et ses marchés. La peinture flamande et hollandaise (XVIIe et XVIIIe siècles) au Musée d’art et d’histoire de Genève. Bis 29. August 2010. Katalog Fr. 75.-.

Turner: Doch ein verfrühter Impressionist!

•Februar 21, 2010 • 1 Kommentar

Claude Monet gilt heute beim Publikum als die Verkörperung des Impressionismus. Zu den zwar nicht populärsten, so doch kunstgeschichtlich bedeutendsten Arbeiten Monets gehören seine Studien der Kathedrale von Rouen, die er in den Jahren 1891-94 immer wieder in je verschiedenen Beleuchtungen gemalt hat.

Und schließlich:

Monet hat während seines England-Aufenthalts 1870-71 – als noch vor der hohen Zeit des Imperessionismus – die damals zugänglichen Werke William Turners aufmerksam und sichtbarlich nicht ohne Gewinn studiert. Nicht zuletzt daher rührt der Ruf Turners als eines „verfühten Impressionisten“.

Mit welchem Gewinn Monet allerdings Turner studiert hat, ist der kunstgeschichtlichen Forschung bislang verborgen geblieben. Dem hat verdienstvoller Weise die Website www.william-turner.org, die sich das ambitionierte Ziel gesetzt hat, Turners Gesamtwerk im Internet zugänglich zu machen, neuerdings ein beachtliches Licht aufgesetzt. Unter dem Titel „Rouen Cathedral“ hat sie dieses frappierende Werk Turners ins Netz gestellt:

Leider fehlen noch die sonst auf dieser Site üblichen Angaben über Entstehungsdatum, Größe, gegenwärtiger Ort usw.; aber es besteht die Hoffnung, dass das auch noch nachgeholt wird.