Storia I: Von den Anfängen bis zu Turner
Allererste Landschaftsdarstellungen ‘gibt es’ wohl schon im Altertum, aber nicht ‘thematisch’, sondern nur so nebenher, wie in diesem Fresko, das die Wand eines Wohnhauses in Pompeji zierte und also vor 20 n. Chr. entstanden ist:

Es dient offenbar einem rein dekorativen Zweck, und die ‘Landschaft’ hätte schwerlich solche Ehre erfahren, könnte man ihren Baum nicht als einen ‘heiligen’ auffassen…
Auch in der “gotischen” Malerei vor der Renaissance kommt Landschaft hier und da als Staffage vor – um die dargestellte allegorische Szenerie zu erläutern, wie hier im Palazzo Pubblico von Siena (aus dem Jahr 1340):


In der italienischen Renaissance treten neben den allegorischen und Heiligengeschichten nach und nach weltliche Sujets in den Vordergrund der Malerei. Und weltlich wird auch ihr Format: An die Stelle des Wand- oder Altargemäldes tritt das Tafelbild.

Eine Landschaft “kommt vor” als momentum differentiale der “Szene”.
Doch zum Thema wird die Landschaft anscheinend erstmals auf diesem Bild von Jan van Eyck aus dem Jahr 1437:

Der Kanzler Jean Rolin und die Jungfrau Maria; quasi ein Triptychon: Links der Kanzler, rechts die Jungfrau, dazwischen – wie ein “allererstes reines Landschaftsgemälde” – der Fensterausblick in die Umgebung. Zwar gibt auch hier die fromme Szene den Anlaß für die Darstellung “der Natur” (wie sie nämlich draußen ist). Aber dem Betrachter wird nicht die Wahl gelassen, ob er sie zur Kenntnis nehmen will oder nicht. Sie macht die Bildmitte aus, aber wer sie anschaut, sieht nicht mehr zugleich Maria und den Betenden. Und wer auf jene achtet, muss die Landschaft beiseite lassen. Die Landschaft – “die Natur” – ist zwar (noch) nicht das Thema des Bildes, aber doch (schon) die “andere Ebene”, ohne die die erste nicht auskommt. (Freilich will dieser Zwiespalt sinnbild lich aufgefasst werden.)

Und es handelt sich, trotz seiner Frömmigkeit, schon nicht mehr um ein Wandgemälde oder einen Altaraufsatz, sondern, ganz weltlich, um ein Tafelbild.
In den Niederlanden verschiebt sich dann nach und nach das Gewicht. Gelegentlich sieht es aus, als sei die heilige Szene nur noch ein Vorwand für die Naturdarstellung; oder richtiger: für die Nutzbarmachung der Landschaft für malerische Zwecke.

Joachim Patini(e)r, Überfahrt in die Unterwelt (1515-1524)
Ein künstlerischer Zufall? Und wie ist es damit:

Patinier hat ein Schwäche für diese Art von Bild. Indes, das sind Phantasielandschaften – zu einem vorgegebenen Sujet malerisch hinzu erfunden.
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Die ältesten erhaltenen reinen Landschaftsdarstellungen ohne äußeren thematischen Vorwand finden sich bei den deutschen Renaissance-Malern Hans Traut (1453-1516)

und Albrecht Dürer, der auf dem Wege nach Italien eine ganze Reihe von Landschaftsstudien anfertigte:

Und nun handelt es sich um wirkliche Landschaften – die Natur, wie sie “vorkommt” und nicht, wie man sie sich denken könnte; nicht Sinn bild, sondern Abbild.
Aber: Das sind eben nur private Studien, Arbeitsskizzen für den eignen Gebrauch, keine Tafelbilder im großen Format für den repräsentativen öffentlichen Ort, an denen der Maler mit seiner Werkstatt viele Jahre zu tun hatte.
Die ersten wirklichen Landschaftsbilder sind erst von Albrecht Altdorfer überliefert:

Er malt Waldansichten aus dem Donauraum bei Regensburg. Diese “Landschaft mit einem Steg” ist ca. 1516 entstanden.
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.Holland und Italien
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Zu einer besonderen Gattung, einem Genre, hat sich die Landschaftsmalerei in zwei Gegenden Europas ausgebildet, in Holland und in Italien. Das einemal als Merkmal eines nationalen Erwachens, das andermal als ein Zeichen des Niedergangs.
Beides hat seine (selbe) Ursache im sechzehnten Jahrhundert: nämlich die Verschiebung des Welthandels aus dem Mittelmeer auf den Antlantik. Hier die mittlerweile erdrückende Seeherrschaft des osmanischen Reiches, der Venedig kaum noch standhält, dort die Entdeckung Amerikas und die Umrundung Afrikas. Italien verbauert, Holland blüht auf.
Italien kann kulturell noch lange an seinem gewaltigen Erbe zehren. Aber mit dem politischen und kommerziellen Niedergang hängt es gewisssermaßen in der Luft und irrt ziellos durch die Gegend. Irgendwie wird – der Manierismus öffnet die Tore – künstlerisch “alles möglich”. Warum nicht auch hier und da mal eine Landschaft;

doch ob sie von Tizian oder von Giorgione stammt, ist bei dem berühmte Ländlichen Konzert (ca. 1511) nicht einmal mehr sicher. Auffällig ist an dem Stück, dass die Umrisslinien, die doch die Körperlichkeit der abgebildeten Gegenstände verbürgen, wie in deinem Dunst verschwimmen – was erstens eine Spezialität Giorgiones war, und sich zweitens als ein vorteilhaftes Mittel der Landschaftsdarstellung bewähren sollte…
In Holland blühte wohlbemerkt unter dem doppelten Anreiz der wirtschaftlichen Explosion und der nationalen Erhebung nicht nur die Landschaftsmalerei, sondern alle Kultur auf. Stilleben, Stadtveduten, Genreszenen, Interieurs und Seestücke waren nicht mindert gefragt als die Landschaftsbilder.

Das einzige, was fehlte, war die prächtige Repräsentations- malerei, wie sie in den südlichen Niederlanden Peter Paul Rubens vertrat. Denn dafür fehlten die Kunden: die katholische Kirche und die Adelshöfe; der holländische Adel bestand allenfalls aus Landjunkern, die weder politischen Einfluss noch kulturelles Gewicht hatten. Das erklärt den insgesamt (mit Ausnahme einiger Stilleben) so schlichten Charakter dieser Kunst, die man nur ungern barock nennen mag, bloß weil sie im 17. Jahrhundert entstand.
Das Besondere an der Landschaftsmalerei ist, dass sie ein neues Genre war, das… na, ich will nicht sagen: nur, aber doch am ehesten unter diesen Bedingungen entstehen konnte; und dass es dort bald wieder verflachte – aber eine Grundlage geschaffen hatte, auf der die bedeutsamste Entwicklung der gesamten Kunstgeschichte aufbauen konnte.
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Holländer.
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Das 17. Jahrhundert war – trotz oder wegen des endlosen Unabhängigkeitskrieges gegen Spanien – wirtschaftlich und kulturell das Goldene Zeitalter der Niederlande. Eine breite Schicht wohlhabender Bürger und Kleinbürger entwickelte wachsende kulturelle Ansprüche. Ein weiter Markt für Gemälde entstand – in bescheidenem Format, zu bezahlbaren Preisen, mit beschaulichen und schlichten Motiven. Entsprechend der Nachfrage vervielfältigte sich die Zahl der Maler, die sich ihrerseits aus Bürger- und Kleinbürgertum rekrutierten. Ein neuer Typus von unmittelbar am Markt orientierten Berufskünstlern wuchs heran – ohne konventionelle Schulbindung und ohne tradierten ästhetischen Kanon. Eine zuvor in der Malerei nicht bekannte Freiheit des Blicks wurde möglich. So konnte sich in Holland die Landschaftsmalerei-Malerei erstmals als ein selbständiges Genre etablieren.
Jacob Isaaczoon van Ruisdael (ca. 1628-1682) war ein Schüler seines Onkels Salomon van Ruysdael und gilt heute als der bedeutendste Vertreter der holländischen Landschaftsmalerei.

Die holländische Landschaft hat nicht viel Gegenständliches zu bieten – nicht viel, das eine lebenspraktische “Bedeutung” von Hause aus mitbrächte. Eine Windmühle ‘bedeutet’ Müller, Korn und Brot; ein Kirchturm ‘bedeutet’ Bürgersinn und Gotteslob; ein Segelschiff ‘bedeutet’ Handel und Verkehr. Topographisch passiert dort nicht viel. Ein Wasserlauf bedeutet Boote, ein Wald würde Wildnis und Gefahr bedeuten – aber es gibt höchstens Wäldchen. Ansonsten ist alles flach, die höchsten Erhebungen sind die Stranddünen. Das Augenfälligste an dieser Landschaft sind immer noch: ihre phantastischen Himmel und alle Augenblicke wechselnde Beleuchtungen. Nichts wirklich ‘Gegenständliches’ und nichts wirklich ‘Bedeutsames’!
Jacob van Ruisdael hat denselben Blick – selber Standpunkt, selber Ausschnitt – auf seine Heimatstadt Haarlem immer wieder gemalt. Dennoch ist es jedesmal ein ganz anderes Bild: wegen des Himmels und der Hell-Dunkel-Verhältnisse. Oben zwei Beispiele.

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Jacob van Ruisdael liebte es dramatisch und auch ein bißchen düster, so wie hier. Mehr als seinen Kollegen, kam es ihm auf den malerischen Gesamteindruck an, weniger auf das Motiv. So zögerte er nicht, seinen holländischen Landschaften gelegentlich Berge, Felsen und Wildbäche einzufügen, die es dort in der Wirklichkeit nicht gab.
Hier fügt er nicht ein, sondern läßt weg: nämlich die Körperlichkeit der Gegenstände. Das abgebildete Dorf wird weitgehend auf farbige Flächen reduziert, und die Palette beschränkt sich auf Tönungen derselben Farben. Eine räumliche Perspektive wird sich der Betrachter schon hinzudenken…
Ein Wort noch zum Goldenen Zeitalter: Als erfolgreicher Maler hatte Jacob van Ruisdael die Bürgerrechte der Stadt Amsterdam erworben. Als er alt und verarmt war, schickten ihn seine Amsterdamer Mitbürger in seine Heimatstadt Haarlem zurück, wo er in einem Armenhaus starb.
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Salomon van Ruysdael: Egmond-an-Zee
Die deutschen Niederlande haben sich überhaupt erst durch den Kampf gegen die Spanier zu einer ‘Nation’ zusammengefunden. Die Malerei hat ihren Teil beigetragen zur Ausbildung eines Bewußtseins von der kulturellen Eigenart. Prächtig und repräsentativ war die höfische Kunst der Spanier (auch die Gemälde von Rubens im südlichen, spanischen Teil der Niederlande). Die ‘holländische’ Kunst war dagegen still und unspektatulär, wie die holländische Landschaft.
Zunächst war daher die dortige Malerei sanft und idyllisch, bürgerlicher Alltag in einem befriedeten Milieu. Ihren deutlichsten Ausdruck fand dies bei Salomon van Ruysdael (1600-1670).

Ausgesprochen typisch für Salomon: vorn ein Flußlauf mit Booten, im Hintergrund eine scheamtisch angedeutete Siedlung – unter einem einem sanften, fast liebliche Himmel.
(Vergleiche damit Jacobs Himmel: fast immer dunkler, mit starken, beunruhigenden Kontrasten. Da “passiert” immer etwas!)
Der eigentlich bedeutende ästhetische Schritt ist freilich bei Salomon schon getan: Plastische Bildmodule werden zu farbigen Flächen und Tupfern aufgelöst; Linien verblassen zu tonigen Streifen und Bändern. Mit andern Worten, die ‘Linearperspektive’ (=Krümmung und Verkürzung der Linien) wird zugunsten der ‘Luftperspektive’ (=je weiter, desto verschwommener) verflüchtigt.

Hier ist der Abendhimmel nicht bloß lieblich: Er ist auch das einzig Farbige auf diesem Bild! Für das ‘eigentliche Motiv’ reichen ihm einige Brauntöne.

Vor rund zweihundert Jahren war wohl von allen holländischen Landschaftern Jan van Goyen (1596-1656) in Deutschland mit den meisten Bildern vertreten. Er galt daher bei unseren Romantikern, die die Landschaftsmalerei als ein bevorzugtes Feld ihrer Kunsttheorien erkannten, als ihr wichtigster Vertreter. Und tatsächlich hat er viel mehr Gemälde hinterlassen als seine Kollegen. Er hatte sich bei finanziellen Spekulationen übernommen und mußte viel verkaufen, da konnte er sich für das einzelne Stück nicht so viel Zeit lassen: Flotte Pinselführung und der Mut zum Weglassen, die bis heute seine Wertschätzung begründen, sind diesem Umstand ebenso geschuldet wie seiner malerischen Kühnheit.
Ebenfalls diesem Umstand geschuldet ist aber auch ein wachsender Wiederholungszwang: Die Bilder ähneln einander immer öfter und werden immer gefälliger. (Woran im übrigen nach nur einem Jahrhundert das ganze Genre wieder zugrunde gegangen ist…)

Es fällt auf, daß sich bestimmte stilistische ‘Richtungen’ bei den Holländern des Goldenen Zeitalters nicht ausmachen lassen. Dazu kam die Blüte zu rasant und waren zu viele Künstler daran beteiligt- bei einem unerschöpflichen Markt. Jeder behielt die Freiheit, den eigenen Vorlieben zu folgen.
Aber ein paar durchgängige Eigenarten kann man bemerken. So wie auch hier: die schemenhafte Behandlung der Stadtsilhouetten in demütigem Braun und die liebevolle Ausgestaltung des Himmels – dem eigentlich Charakteristischen der holländischen Landschaft.

Ein so geringfügiges Motiv wie eine Düne zum Bildgegenstand zu wählen, dazu brauchte es im 17. Jahrhundert Mut. Aber in einem Land, in dem es kaum andere Anhöhen gibt, nicht so viel wie anderswo. So etwas in ein Ölgemälde zu fassen, war hier geradezu ein trotziger Akt niederländischer Selbstbehauptung gegen die iberische Besatzungsmacht.

Ein typischer, wenn auch nicht herausragender Vertreter der niederländischen Landschaftsmalerei ist Adriaen van de Velde (1636-72).
.Seine Vorliebe sind das die weichen Linien und das milde Licht. Auf unserm Bild verschwindet die Stadt ganz hinter den Dünen, und die Menschen dienen eigentlich auch nur zur Belebung der Szenerie, die ansonsten etwas öd wäre. Hauptperson ist wieder einmal der Himmel, und zwar ein freundlich sanfter.

Diese nicht näher lokalisierte “weite Landschaft” von Philips Koninck (1619-88) markiert den Abschluß einer Entwicklung. Ein besonderer, identifizierbarer Gegenstand wird dem Bild nicht einmal mehr pro forma zugewiesen. Das sandige Gelände sieht aus wie eine bloße Graphik, der Himmel ist der einzige Ort, der eine ‘Gestalt’ aufweist – aber eine ätherische, unbeständige, in Sekunden flüchtige…
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Engländer und Italiener
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Ihren zweiten großen Aufschwung nimmt die Landschaftsmalerei in England – nachdem sie sich in Holland in Routine und Gefälligkeit verausgabt hatte.
Die englischen Maler können an zwei Traditionen anknüpfen – die Holländer und die Italiener.
War bei den Holländern der im nationalen Aufbruch befreite Blick die Voraussetzung für den künstlerischen Auschwung gewesen, so war er in Italien das Ergebnis einer Jahrhundertelangen Arbeit an der Kunst. Hier war die Landschaft ein Sujet, dem sich die Malerei, nachdem sie sich so viele Gebiete jenseits der Heiligengeschichte erschlossen hatte, schließlich “auch noch” zuwenden musste – neben und nach allen andern.


Und natürlich sind es keine realen Landschaften, sondern um – dem Effekt zuliebe – vorgestellte.
Damit auch in Italien ein besonderes Genre daraus entstehen konnte, bedurfte es der Ausländer. Nämlich der englischen Aristokratie, in der im siebzehnten Jahrhundert the Grand Tour, die ausgedehnte Bildungsreise durch den Kontinent, zur Bedingung und zum Ausweis der Hoffähigkeit wurde. Die Ansichten der antiken Stätten, der venezianischen Palazzi und der Golfs von Neapel wollten festgehalten und auf das neblige Eiland mitgebracht werden..
Und… eines Holländers! Caspar Adriaensz. van Wittel (Vanvitelli; 1653-1736) hatte soeben die Veduten-Kunst dort als selbstständiges Genre etabliert.

Seine Stärke waren die topographisch exakten Stadtansichten, und dank der englischen Nachfrage machte er schnell Schule. Doch den Geschmack an stimmungsvollen Landschaften brachten erst die Touristen ins Land, und die einheimischen Künstler folgten ihren Neigungen.
.Und folgten wohl gar den Touristen selbst in ihre feuchte Heimat:

Der ältere Canaletto malte ihnen London mit einem südlichen Himmel, als wär’s Venedig…


Es sind Ideallandschaften. Die Figuren, die wie Holzpuppen wirken, dienen nur als Anlaß, nicht einmal mehr als Vorwand. ‘Italienisch’ ist der Landschaftstyp, die Vegetation und – das Licht!
Reale Landschaften hat auch Claude nur als Studie abgebildet:

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Wieso die Italiener und den wahlitalienischen Claude zu Beginn des Abschnitts über die Engländer?
Weil Claude seine historische Wirksamkeit von Italien aus in

England fand. Im achtzehnten Jahrhundert verarmte der italienische Adel rasant, die ‘Claudes’, die ihre Palazzi geziert hatten, wurden von den wohlhabend wohltätigen Touristen nach England heimgeschafft, wo sie die aufkommende Mode der Landschaftsparks anfachten – manche sind, noch heute sichtbar, direkt einem Lorrain-Gemälde nachempfunden (und von denen hingen seither zwei Drittel in englischen Schlössern).
Hier Capapility Browns Punkstück, Stourhead Garden (den italienischen Himmel hat er nicht so hingekriegt wie Canaletto):

So sieht es in Stourhead Garden aber auch aus:

Croome Park war Lancelot Browns erster ganz eigener Entwurf. Es sieht aus “wie gewachsen”, dass eine gestaltende menschliche Hand daran mitgewirkt hat, ist nicht zu erkennen. Im Laufe seines Arbeitslebens sollte dieser Geschmack Browns – aus ganz eigenen Gründen – immer stärker in den Vordergrund treten.

Indes ist die Geschichte des Landschaftsparks eine ganz eigne Sache, die eine gesonderte Behandlung verdient.
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Ein Nachempfindsamer: Gainsborough
Der englische Rokokomeister Thomas Gainsborough (1727-1788) hat sich vor allem durch seine Porträts – damals das vornehmste malerische Genre – hervorgetan. Als deren Hintergrund wählte er aber gern, im Geschmack der soeben modischen Empfindsamkeit, statt eines hochherrschaftlichen Interieurs eine bescheidene Landschaft…
Und auch ein paar ’reine’ Landschaften sind von ihm erhalten.

Doch seine ‚englische’ Waldlandschaft wirkt auffallend italienisch;

und auch dieser Sandweg in der Heide sieht nicht so aus, als habe er ihn nach der Natur gefertigt, sondern nach einer holländischen Vorlage…
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Ein romantischer Expressionist: Constable
Der Pionier der modernen Landschaftsmalerei – und damit, wie sich finden wird, der modernen Malerei überhaupt – war John Constable (1776-1837). Etwas anderes als Landschaften malte er nicht – vor ihm nur die Holländer des Goldenen Zeitalters. Zwar hatte er zu Lebzeiten nie wirklich Erfolg, aber als man ihn schließlich doch zum Ehrenmitglied der Royal Academy machte, hatte er immerhin die Landschaftsmalerei in England als eine selbstständige Kunstgattung durchgesetzt – während auf dem Kontinent noch Rokoko-Idyllen und klassizistische Historienschinken vorherrschten.
Obwohl auch er Claude Lorrain studiert hat, ist ein italienischer Einfluss bei ihm nicht wahrzunehmen, und er war auch nie in Italien – nicht einmal am Rhein. Seine Landschaften sind nicht heroisch, sondern ausdrucksstark; und sie sind real: Am liebsten malt er seine unmittelbare Heimat, die Grafschaft Suffolk.

Er schließt sich ungebrochen an die holländischen Tradition an, italienischer Geschmack, italienische Versatzstücke sind nirgends zu erkennen.

Das ist bhier keine Constable-Werkschau, dafür reicht selbst bei WordPress der Platz nicht. Ich suche ein paar Stücke heraus, an denen besonders sichtbar wird, was Constable zu meinem Thema beigetragen hat – nämlich zur Entbindung des rein-Ästhetischen aus seinen sachlich-thematischen Zusammenhängen, indem er die spezifischen künstlerischen Möglichkeiten der Landschaftsmalerei ein kleines Stück weiter ent-deckt hat.
Ich behandle zum Beispiel nicht, daß Constables Landschaft immer die Wohnstatt des Menschen ist, weshalb seine Stücke oft eine Spur von Genremalerei haben. Das wird auf den großformatigen Bildern deutlich, die für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Das Publikum sollte erkennen können, was der Maler zeigen wollte. Hier geht es aber mehr darum, was Constable in den englischen Landschaften sehen wollte, und das erkennt man auf den skizzenhaften Gelegenheitsarbeiten besonders gut.

Linien, die die Körper begrenzen, gibt es gar nicht mehr. Die Pinselführung ist derb, auch der Lichteinfall wird nicht genutzt, um auf der Leinwandfläche eine Tiefe des Raumes vorzutäuschen, die Farbflächen – d.h. die Farbstreifen liegen unvberholen nebeneinander, und ungeniert wird nicht das gemalt, ‘was wirklich da ist’, sondern was die Landschaft ausdrücken zu wollen scheint. Und immer ist es ein herber, mitunter düsterer Ausdruck, den Constable seinem Land abgewinnt. Heiter, verspielt, lieblich? Das ist vielleicht Italien. Die Nebelinsel in der Nordsee kann froh sein, wenn er ihr auf den Bildern, die er verkaufen will, ein paar Sonnenstrahlen gönnt. Für den Eigengebrauch tut er nicht einmal das.

Ein Romantiker ist er, allerdings; aber ein expressionistischer.

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Der gewaltige Turner
Jetzt wird es ernst. Denn wir kommen zum – will das einer bestreiten? – größten Maler aller Zeiten. Na, der ergiebigste war
Joseph Mallord Turner (1775-1851) auf jeden Fall. Allein dem englischen Staat hat er 20 000 Bilder vermacht… Er war einer der großen Revolutionäre in der Malerei und gilt zu Recht als Wegbereiter der Moderne. Aber wie bei Constable, geht es auch bei ihm hier nicht um eine kunsthistorische Würdigung, nicht einmal um eine Darstellung der Entwicklung seines ‘Personalstils’ (das könnte ich nicht; außerdem hatte erauch zu viele davon); deswegen ist auch keine Chronologie angestrebt. Sondern um seine spezifische Rolle dabei, wie die Landschaftskunst dazu beigetragen hat, das rein-Ästhetische aus seinen Bezügen zu sachlich-Thematischem zu entbinden. Und eigentlich hat er in dieser Hinsicht schon alles erledigt, was ihm die andern Künstler bis in die klassische Moderne hinein immer wieder nur nach-gesehen haben.
Wunderkinder gibt es nicht in der Bildenden Kunst. Zum Bilden braucht es Handwerk und das muss man erlernen. Aber des jungen Turners Begabung war so auffällig, dass sein Vater sie von Anbeginn unterstützte – indem er die Bilder seines Sohnes in seinem Friseursalon an die Wände hängte. Turner wurde mit vierzehn Jahren in die Schule der Royal Academy aufgenommen und stellte mit fünfzehn erfolgreich sein erstes Gemälde aus; ein Aquarell.
An Claude Lorrain kam er selbstverständlich nicht vorbei, und er hat ihn ganz unbefangen nachgemacht. Dass alles ein wenig verschleiert wirkt, mag am englischen Nebel liegen; oder am persönlichen Geschmack? Das italienische Licht hat er erst nach seinen Claude-Stücken kennengelernt.

Keiner vor ihm hatte wie Claude in der Luftperspektive (je ferner, um so verschwommener) exzelliert. Turner setzt eins drauf. Wenn es auch nicht möglich ist, ihn einem bestimmten ‘Stil’ zuzuweisen, zieht sich doch ein ästhetisches Merkmal durch das ganze Werk: Die Körper haben keine Konturen, die Flächen haben keine Grenzen mehr. Wie ein Über-Claude holt er den Hintergrund bis in den Vordergrund: Alles schwimmt.


Turner hat nicht nur Claude studiert. Ebenso gründlich hat er sich mit den Holländern befasst. “Waltton Reach” ist dafür ein Beispiel. Und das hervorstechende Merkmal der holländischen Landschaftsmalerei ist ihm nicht entgangen: Hier ist es mehr die flächige Behandlung der Gegenstände als die ‘Luftperspektive’, die die Körper entmaterialisiert und zu einem ästhetischen Datum verflüchtigt. Und mehr als die Farben sind es die valeurs (Hell-Dunkel-Grade), die die Komposition gliedern.


Immer wieder wird Turner als Vorläufer des Impressionismus genannt. Aber mehr noch als Constable, darf man ihn auch als einen Wegbereiter des Expressonismus ansehen:










[ah, es geht weiter!]
‘Aquarell in Öl’
Wie man auf den ersten Blick in Turner einen verfrühten Impressionisten sehen mag, könnte es scheinen, als habe er die malerischen Effekte der Aquarelltechnik in die Ölmalerei eingeführt – als Paradebeispiel könne das obige Norham Castle gelten. Ganz falsch ist auch das nicht: wenn man nämlich im Auge behält, dass er jene Aquarelltechnik zur selben Zeit eigentlich erst recht entwickelt hat.
Überall in der Welt gilt das Aquarell als eine ganz hübsche, aber nicht vollwertige Stieftochter der Malkunst – nur nicht ganz so in England. Das hatte schon vor Turner begonnen. Die Eigentümlichkeiten der Wasserfarben wurden dort buchstäblich geadelt durch ein gewisses vornehmes Publikumsbedürfnis.
Was den Vorzug der Wasserfarben ausmacht – dass sie rasch trocken -, setzt ihnen auch eine Grenze: das kleine Format. Aber nur das kleine Format lässt den Mangel der Wasserfarbe – die fehlende Deckkraft – als einen Vorteil erkennen: ihre Durchsichtigkeit. Das Aquarell ist eine intime Kunst, man muss nah herantreten und eine ganze Weile draufschauen. Oder kann es als bloßes Dekor einfach übersehen. Mit andern Worten, für die repräsentativen Zwecke bei Hof und Altar kommt es gar nicht in Betracht.
Darum war es durch die Jahrhunderte lediglich ein probates Werkzeug für Studien und Entwürfe. Albrecht Dürers erstes reines Landschaftsbild – Weiher im Wald von 1495 – ist selbstverständlich ein Aquarell. Die weitere Besonderheit der Wasserfarben: Für Skizzen unter freiem Himmel, und also für Landschaftszeichnungen nach der Natur, sind sie dem Öl weit überlegen. Aber sie werden auf Papier oder Karton aufgetragen, die leicht durchweichen und reißen, und sicher nicht die Jahrhunderte überdauern wie Leinwand und Holztafel.
Und noch eine Besonderheit hat das Aquarell: Hier muss eigentlich der kleinste Tupfer ‚sitzen’, es lässt sich kaum etwas korrigieren, jeder Deckfarbenauftrag springt ästhetisch aus dem Bild heraus. Es kann da nichts sorgfältig ‚vollendet’ werden, das Aquarell sieht immer ein bisschen unfertig aus – und nur, wer sein Handwerk beherrscht, darf sich dranwagen.




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Unterschriften mit Künstler, Titel und Datierung direkt unter den Bildern wären super!
Ich werde gewiss nicht die Eigeninitiative der Leser bremsen.